Dortmund, 1999-06-13
Eigentlich wollte unsere Bekannte Julia, daß wir schon um halb sechs zur Dortmunder
Westfalenhalle fahren, weil sie meinte, die Kels würden auch schon so früh kommen und dann
bestimmt ein paar Autogramme geben...
Gott sei Dank waren Nina und ich aber erst um halb zehn dort, weil wirklich kein Mensch
da war. Es war total unheimlich, denn sonst haben ja immer alle dort übernachtet, aber
an diesem Morgen saßen nur vereinzelte kleine Grüppchen auf den Treppen. Die Kellys waren
natürlich auch noch nicht da. Wir begaben uns dann langsam zum Backstage-Eingang, es hätte
ja eh keinen Sinn gehabt, sich vorne anzustellen. Nach ein paar Stunden füllte sich der
Platz vor dem Hintereingang, nur von den Kellys war immer noch keine Spur zu sehen.
Schließlich waren sie am Vortag ja noch in Dänemark gewesen, da kann man es ihnen auch
nicht verübeln, wenn sie etwas später kommen.
Als die Kellys dann doch noch kamen, es war bestimmt schon halb sechs abends, fuhren sie
mit ihren Kleinbussen auf den Parkplatz und verschwanden auf nimmer wiedersehen. Nix mit
Autogrammen, Pech gehabt! Aber anstelle der Kels wäre ich wahrscheinlich auch nicht
rausgekommen, denn sie hätten eh hauptsächlich nur die Leute gesehen, die auch ständig vor
Gymnich hocken: Die Köln-Clique plus Anhang. Man, ich reagiere schon richtig allergisch auf
die Frage: "Wollt ihr Fotos kaufen?"
Um halb sieben gingen wir dann wieder zum Haupteingang und trauten unseren Augen nicht: Super
lange Schlangen zogen sich über den Parkplatz bis zum Tor! Und das bei festen Sitzplätzen!
Völlig sinnlos. Aber der Einlaß ging ziemlich schnell voran, wenn man bedenkt, daß die Secs
diesmal besonders streng beim kontrollieren waren. Einige mußten sogar ihre Fan-Geschenke
auspacken, weil die Secs wissen wollten, was drin ist. Es dürfte also echt schwierig werden,
Videokameras mit rein zu bekommen.
Als wir drin waren, machten wir uns sofort auf die Suche nach unseren Plätzen in der siebten
Reihe! Endlich hatten wir nämlich Glück gehabt und konnten Karten so weit vorne ergattern.
Julia war immerhin die zweite gewesen, die angerufen hat. Aber es dürften alle von dem Chaos
erfahren haben, daß los war an dem Tag, als die Karten rausgekommen sind.
Wir fragten als einen Ordner, wo unser Platz sei, und er zeigt auf die Tribüne ganz hinten.
Ich dachte erst, er wollte uns veräppeln. Aber er meinte es ernst. Wir sahen uns die Karten
an: Reihe 7, Ost 1. Tatsächlich! Ost 1 war die hintere Tribüne. Wir konnten es gar nicht
fassen. Die Frau am Telefon damals hatte uns mit den Karten beschissen. Wir erklärten den
Ordnern unser Problem, aber natürlich konnten sie auch nichts machen, schließlich waren
weiter vorne auch keine Plätze mehr frei. Aber sie meinten, wir könnten es ja mal bei der
Kasse draußen versuchen.
Wir sind also wieder raus, in das kleine Häuschen, was dort stand, direkt hinterm Einlaß.
Die wußten natürlich auch von nichts und schickten uns weiter zur Abendkasse. Allerdings
durften wir mit unserer Karte ja nicht mehr raus. Also bettelten wir den Ordner draußen an,
daß wir ganz kurz durch den abgesperrten Bereich durften. Er meinte, eigentlich wäre das ja
nicht gestattet, aber dann zwinkerte er mit einem Auge und meinte, wir sollten uns beeilen.
Also rannten wir zur Abendkasse, klagten denen unser Leid, und wie nicht anders zu erwarten
hatten auch die keine Schuld. Wäre unser Pech! Außerdem sollten wir uns nicht so anstellen,
daß wären mit die besten Plätze, die man in der Halle kriegen könnte, der Veranstalter würde
sich schon was dabei denken, wenn er grade diese Karte teurer verkauft. Die haben gut reden,
schließlich sind wir auf den Dortmunder Ticketservice angewiesen, wenn wir gute Plätze haben
wollen. Die können uns nach Strich und Faden besch***.
Ein anderes Mädchen, das uns zugehört hatte, fragte ganz ungläubig: "Was, Ost 1 ist Tribüne?"
Sie zeigte uns ihre Karte: Reihe 7, Ost 1. "Ich glaub das nicht, dann habe ich grade 150,- für
einen total beschissenen Platz bezahlt!"
Wir liefen also wieder zurück zum Einlaß und sahen den Ordner, der uns durchgelassen hatte,
schon von weitem winken. Er fragte noch kurz, ob wir denn Glück gehabt hätten und machte
dann ein mitleidiges Gesicht, als wir verneinten.
Zu diesem Zeitpunkt war es schon sieben Uhr, also eigentlicher Beginn des Konzerts, und noch
immer waren nicht alle Besucher in der Halle, die Schlange war sogar noch ziemlich lang. Es
würde sich also noch etwas hinziehen, bis es losging.
Wie sich rausstellte, waren wir nicht die einzigen, denen es mit den Plätzen so ergangen war,
später in der Halle trafen wir noch einige enttäuschte Fans.
Frustriert gingen wir zu unseren Plätzen und warteten auf den Beginn des Konzerts.
Auch die Kels waren nicht besonders gut drauf am Anfang, besonders Patrick, der eine furchtbar
krächzende Stimme hatte. Wie ich vor dem Konzert erfahren hatte, war er einige Tage zuvor erst
noch beim Arzt gewesen wegen seiner schlimmen Erkältung. Merkwürdig, daß sich alle mal einen
Tag frei nehmen können, um sich richtig auszukurieren, nur er nicht.
Barby war dafür richtig gut drauf und schwang kräftig ihre Hüften. Ich war schon richtig
erleichtert, daß sie heute gute Laune hatte, aber die hielt nur an bis "Hooks", danach
fiel sie wieder in sich zusammen.
Die erste Hälfte des Konzerts verlief wie gewohnt. Außer Jimmy waren wieder alle anwesend.
Maite trug eine witzige Patchwork-Latzhose, die ich vorher noch nie an ihr gesehen hatte.
Sie tobte wie üblich wie ein Wirbelwind über die Bühne. Patricia bezauberte gleich zu Anfang
mit "First Time", und Patrick ließ wieder seine Sprüche los: "Schön, wieder hier zu sein. Wie
ich sehe, seid ihr alle mitgewachsen, habt eure erste große Liebe schon hinter euch... Spaß
beiseite...."
Stimmung gab's erst richtig bei "Good Neighbour", "Wearing of the Green" und "Papa Cool".
Zumindest bei uns, denn auf unserer Tribüne war echt nicht viel los. In der Pause überlegten
wir, wie wir unauffällig andere Plätze bekommen könnten. Wir gingen erstmal runter und sahen
uns um, aber natürlich war es unmöglich, sich auf gut Glück auf andere Plätze zu setzen. So
standen wir erst unschlüssig vor der Bühne rum und gingen dann wieder auf unsere Plätze
zurück. Kaum dort angekommen bedauerten wir unseren schnellen Rückzug schon wieder, denn
Seany rannte auf der Bühne rum. Er hatte nur seine Army-Hose an und stolzierte wie ein
kleiner Macho auf der Bühne herum. Er posierte für die Kameras und genoß sichtlich das
Blitzlichtgewitter. Nur mit größten Überredungskünsten schaffte es ein Ordner, ihn wieder
von der Bühne zu holen.
Die zweite Hälfte war weitaus besser, auch wenn wir einige Lieder wie "Key to my Heart", "One
more Freaking Dollar", "Please don't go" und "One more Song" vermißten. Aber dafür bescherte
uns Patricia mit "Life is hard enough" wieder Gänsehautstimmung. Seany tobte dabei auf der
Bühne herum und wurde erst von Maite aufgefordert etwas ins Mikro zu sagen, doch er rannte
immer weg. Patricia nahm ihn dann während sie sang, und drehte sich mit ihm im Kreis. Nach
dem Song trabte er dann aufs Mikro zu, zog es zu sich herunter und wollte grade etwas sagen,
als Kathy ihn schnappte und von der Bühne brachte. Wo wir doch schon so lange auf sein
Gesangsdebüt warten...
Nina und ich schafften es dann schließlich doch, einen Platz in den unteren Reihen zu
ergattern, nur Julia, die uns dazu angestiftet hatte, zog es dann doch vor, bei ihrer
Mutter und ihrer kleinen Schwester zu bleiben.
Die hintersten Reihen waren fast leer und so konnten wir immer weiter über die Stühle nach
vorne kommen. Dort war wenigstens eine viel bessere Stimmung als auf der Tribüne und wir
konnten besser tanzen als dort oben.
Schließlich kündigte Patrick dann "Children of Kosovo" an. Die Kellys sangen erst eine komplett
englische Version und dann die deutsche gleich hinterher.
Besonders schön war, daß endlich mal wieder die alten Klassiker gesungen wurden. Außer
"An Angel" gab's "Let my people goe", wobei Angelo mit einer Mr.Spock-Maske die Bühne
stürmte. Die erste Strophe sang überraschenderweise Barby.
Zwinschendurch durften wir dann noch ein paar Schlager singen wie "Marmor, Stein und Eisen
bricht", "Ein Bett im Kornfeld" und auch "As long as you love me".
Die üblichen Mätzchen gab's wieder bei "Swing Low". Als Zugaben gab's diesmal "I can't help
myself" und endlich wieder "We are the World", wobei Patrick Jimmys Strophe sang und Adam die
von Patrick. Ich muß sagen, er macht sich richtig gut, schade nur, daß er nicht mehr singen
darf...
So war das Konzert zum Schluß trotz des Ärgers vorneweg, der ja eigentlich völlig überflüssig
war (nachher ist man immer schlauer), doch noch wunderschön.