Grefrath, 1999-04-14
Ich weiß ja nicht, wer auf die Idee gekommen ist, ein Konzert an einem Mittwoch zu veranstalten,
aber so schlimm, wie's anfangs aussah, war's dann doch nicht. Ich hatte sogar noch das Glück,
daß meine letzten vier Schulstunden ausgefallen sind, und so saß ich mit Nina um zwei Uhr im Zug
Richtung Grefrath. Unterwegs kam dann noch Julia zu uns und knapp zwei einhalb Stunden später
kamen wir am besagten Eissportzentrum an.
Erst dachten wir, daß es sich um einen schlechten
Scherz handelt, denn die Halle sah aus, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen. Es war
ein klein wenig am Regnen und vor der Halle standen zirka siebzig Fans schon in der
Mini-Schleuse. Die anderen verteilten sich auf dem Parkplatz davor und am Toiletten-Eingang :-)
Dort standen auch wir die erste Zeit und unterhielten uns mit einigen Fans, nachdem meine
Freundin Julia
sämtliche Bekannten begrüßt hatte.
Nach einer ganzen Weile sahen wir, daß der Kelly-Bus angefahren kam.
Wir gingen zum Zaun, der direkt vom Bus bis zum Hintereingang der Halle verlief.
Wir waren nur
ungefähr zehn oder zwanzig Leute. Als erste konnten wir Maite sehen. Sie stand in der Bustür
und räkelte sich kräftig. Dann kam sie heraus
und Julia rief sofort: "Hi Maite, wie
geht's dir?" Sie kam zum Zaun und wir fragten sie, ob Patricia an diesem abend auch da sein
würde. Sie meinte, daß Patricia zwar leichtes Fieber hätte, aber trotzdem auf der Bühne stehen
würde. Während wir mit Maite sprachen, gingen hinter ihr Angelo, Barby, Patrick, Kathy und Sean
in die Halle.
Dann sprachen wie Maite darauf an, daß man nach den neuesten 'Regeln' nicht mehr die Schleuse
verlassen darf, um zum Beispiel aufs Klo zu gehen, weil man sonst nicht mehr reingelassen wird.
Maite guckte ganz erstaunt, meinte: "Eeeecht?", und sah den Ordner an, der neben ihr stand. Der
zuckte aber auch nur mit den Schultern und wußte natürlich mal wieder von nichts.
Ich möchte ja nichts Negatives in Maites Reaktion hineininterpretieren, aber nicht nur ich hatte
den Eindruck, als wollte sie sagen: "Na und, ist mir doch egal!"
Wie dem auch sei, sie verabschiedete sich schnell mit den Worten:
"Mir ist kalt und ich bin müde."
Nach ihr gingen dann noch John und Joey in die Halle gefolgt von Patricia, die mir richtig
leid tat; sie sah schrecklich verheult aus...
Als letzter verließ dann auch Adam den Bus, der einen Drei-Tage-Bart trug. Steht ihm gar nicht
mal schlecht :-)
Als alle Kellys in der Halle verschwunden waren, gingen wir wieder zu unserem alten Standort,
dem Eingang zu den Toiletten zurück, den vom Vorraum aus konnte man einen Teil der Halle sehen
(leider nicht die Bühne...) und beim Soundcheck zuhören.
Das haben dann auch die Secs gemerkt und uns aus diesem Vorraum rausgeschmissen. Man durfte nur
noch rein, um aufs Klo zu gehen. Es dauerte nicht lange, bis sie das Klo ganz schlossen, weil
sie meinten, der Einlaß würde jeden Moment beginnen. Das tat er allerdings erst eine Stunde
später und so mancher rannte eiligst in die Büsche, als er entsetzt feststellen mußte, daß er
nicht mehr aufs Klo kommen konnte :-)
Später gingen wir dann wieder um die Halle herum Richtung Eingang und stellten fest, das der
Einlaß bereits begonnen hatte. Wir stellten uns hinten an die sehr kurze Schlange an und kamen
sehr schnell und ohne Probleme in die Halle, trotz Walkmen und Fotoapparaten mit Zoom!!!
Das Ganze ging völlig locker und ohne Gedränge von statten, kein Vergleich zu unbestuhlten
Konzerten.
Die Halle sah mit den ganzen bunten Plastikstühlen echt witzig aus. Mein erster Gedanke war:
"Wie bei uns in der Aula!" Wir suchten erstmal unsere Sitzplätze und stellten fest, daß um uns
herum sehr viele Erwachsene und auch kleine Kinder saßen, was mich sehr überraschte. Aber ich
fand's auch schön, daß endlich wieder alle ein Kelly-Konzert besuchen können, nicht nur die,
die blaue Flecken und Schlimmeres in Kauf nehmen.
Kurz vor Beginn des Konzerts saßen alle auf ihren Stühlen und ich wurde langsam nervös, weil ich
nicht wußte, was passieren würde, wenn die Kellys die Bühne stürmten. Würden sie alle auf
Kommando aufspringen und nach vorne rennen?
Meine Frage wurde kurz darauf beantwortet. Das Licht ging aus, der Spot richtete sich auf die
Bühne und die ersten Takte von "I feel Love" ertönten. Und komischerweise saßen immer noch alle.
Erst einige Augenblicke später begannen um uns herum die ersten langsam aufzustehen und wir
taten es dann auch. Es schien mir, als wüßte keiner so genau, was er tun sollte oder durfte.
Aber typisch für Kelly-Konzerte, war nach wenigen Minuten die ganze Halle in bester Party-
Stimmung, einschließlich der Kellys selbst.
Erst wurden noch ein paar Songs vom neuen Album gespielt, "You got me rocking now" und
"Hooks".
Nach der ersten Strophe von "Hooks" war ich begeistert. Barby sang ihren Text so
kräftig und schön, nicht so leise und schüchtern wie auf manchen anderen Konzerten. Allerdings
sang sie den Text der zweiten Strophe komplett anders. Ich dachte mir aber nichts dabei, denn es
kommt ja schon mal öfters vor, daß die Kellys ihren Text ein wenig abändern.
Nach den neuen Songs kamen so Schlager an die Reihe wie "Good Neighbour", "Wearing of the Green"
und "Papa Cool", die die Halle zum Kochen brachten. Überall wurde getanzt. Gott sei Dank standen
bei uns die Stuhlreihen nicht so eng hintereinander, wie ich es von anderen Konzerten gehört
hatte.
Es machte den Anschein, als seien die Kellys endlich mal wieder richtig gut drauf. Sie rissen
Witze im Hintergrund, lachten und John entwickelte nebenbei einen neuen Tanzschritt, der echt
zu komisch aussah :-)
maite und Patrick schubten sich gegenseitig mal wieder so heftig über die Bühne, daß Maite vor
Lachen nicht mehr singen konnte.
Dann war Barby mit
"Baby Smile" dran und ich war wirklich etwas perplex, als Barby den kompletten Text vergessen
zu haben schien. Statt dessen gab sie merkwürdige Laute von sich, die mir echt Sorgen
bereiteten. Als kleine Auflockerung kamen am Ende des Liedes alle Jungs nach vorne
und tanzten in einer Reihe neben Barby. Zum Abschluß bekamen wir dann noch ein paar
knackige Hintern entgegengestreckt :-)
Viel zu schnell ging die erste Hälfte des Konzerts vorbei,
doch die zweite war noch besser :-)
Sie begann mit "Dance to the Rock'n'Roll", wenn ich mich recht erinnere, aber Seany durfte (oder
wollte?) schon wieder nicht mitsingen.
Die Lieder unterschieden sich nicht großartig von den anderen Konzerten, allerdings waren die
'Showeinlagen' riesig. Maite und Joey wirbelten über die Bühne, Patrick schlug ein Rad nach dem
nächsten und rannte und sprang über die Bühne, als hätte er sein tägliches Pensum an Sport noch
nicht absolviert gehabt. John tanzte wunderbar und der einzige Wehmutstropfen war Barby, die
sich nicht mehr von ihren Congas entfernte...
Patrick holte sich dann auch wieder ein kleines Mädchen auf die Bühne. Mit ihr auf dem Arm
tanzte er erst etwas und machte dann einen kleinen Rundgang über die Bühne, erst zu Angelo, von
dem sie zwei Schlagzeug-Stöcke bekam, dann weiter zu Kathy, ein bißchen tanzen, und zum Schluß
zu Patricia, von der die Kleine noch ein Küßchen bekam :-)
Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts kündigte sich
an, als der Flügel auf die Bühne geschoben wurde. Als Patrick sich an das Piano setzte, wurde es
mucksmäuschenstill in der Halle. Man hörte nur noch die Klavierklänge und Patricks Stimme. Eine
Gänsehaut-Athmosphäre. Und mitten rein: "PAAAAADDDYYYYY!!!" Ich hätte sie alle umbringen
können!
Danach folgte noch "Please don't go", ein Lied, daß mich auf den Konzerten immer
wieder zu Tränen rührt, spätestens bei der Zeile "...Hey, little sister, don't cry..."
Nach diesem Lied konnte man Barby dabei beobachten, wie sie ganz langsam von der Bühne ging,
und erst wiederkam, als Patricia sie holte...
Bei der Verabschiedung kam sie dann an der Hand von John nach vorne, hielt sich allerdings die
Augen zu. Julia meint, es hätte ausgesehen, als ob sie geweint hätte, aber ich bin mir da nicht
so sicher. Und so ging auch dieses Konzert nach den letzten Klängen von "Because it's Love"
und "I can't help myself" zu Ende.
An dieser Stelle möchte ich nochmal erwähnen, daß alle Securitys außerordentlich freundlich zu
uns waren und man soweit zoomen konnte, wie man wollte :-)
Ich freue mich auf jeden Fall schon riesig auf das Konzert in Dortmund. Und wenn die Bestuhlung
die einzige Möglichkeit ist, um zu gewährleisten, daß man tanzen kann und trotzdem noch die
Kellys auf der Bühne erkennen kann, bin ich damit absolut einverstanden.